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Was ist eigentlich Spec-Driven Development? – Für technisch nicht-affine Nutzer

Ich benutze den Begriff „Spec-Driven Development“ jetzt seit drei Beiträgen, ohne ihn richtig erklärt zu haben. Zeit, das nachzuholen, für alle, die nicht aus der Softwarewelt kommen und bei dem Wort erstmal nur Fragezeichen sehen.

Woher der Begriff kommt

Spec-Driven Development ist ein Ansatz aus der Softwareentwicklung. „Spec“ steht für Spezifikation: eine genaue Beschreibung, was ein Programm tun soll, bevor eine einzige Zeile Code geschrieben wird. Klingt banal, ist es in der Praxis aber nicht, weil die meiste Software historisch anders entsteht. Man fängt an zu programmieren, merkt unterwegs, was fehlt, baut nach, korrigiert, flickt. Am Ende funktioniert das Ergebnis oft, aber niemand kann mehr genau sagen, warum es an einer bestimmten Stelle so und nicht anders reagiert.

Spec-Driven Development dreht die Reihenfolge um. Erst wird aufgeschrieben, was das System in jedem relevanten Fall tun soll, möglichst so eindeutig, dass zwei unabhängige Entwickler daraus dasselbe Programm bauen würden. Erst wenn diese Beschreibung stimmig ist, wird sie umgesetzt. In der aktuellen Praxis, mit KI als Entwickler, ist das mehr als eine Reihenfolge: Die Spezifikation ist der Text, aus dem die KI direkt Code, Tests und Dokumentation erzeugt, nicht nur eine Vorab-Notiz für Menschen. Steht die Spezifikation nicht sauber, baut die KI etwas Falsches, nur eben schneller.

Warum das für Trading relevant ist

Eine Trading-Strategie hat mit Software mehr gemeinsam, als man zunächst denkt. Beides sind Regelwerke, die in wiederkehrenden Situationen zu einer Entscheidung kommen sollen. Und bei beidem gilt: Wenn die Regeln nicht eindeutig sind, entscheidet am Ende die Tagesform darüber, wie gehandelt wird.

Bei Software merkt man das an Programmfehlern. Bei einer Trading-Strategie merkt man es daran, dass zwei Trader mit demselben Regelwerk am selben Chart zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen, oder derselbe Trader an zwei verschiedenen Tagen. Ein Beispiel: Beim Thema Supply und Demand ist schon die Grundfrage strittig, wann eine Bewegung im Chart überhaupt eine gültige Supply- oder Demandzone ist, nicht erst, wo man sie einzeichnet. Verschiedene Trader, verschiedene Tools, unterschiedliche Antworten, weil jeder anders definiert, ab wann eine Bewegung „stark genug“ ist. Und selbst wenn die Zone als gültig gilt, bleibt offen, wo genau sie beginnt und endet, und wann man einsteigt: sobald der Kurs in die Zone eintaucht, erst wenn er sich wieder zurückgezogen hat, oder erst nach drei Kerzen, die die Zone wieder verlassen haben. „Handle Supply und Demand“ klingt nach einer Regel. Ist aber keine. Genau das war für mich über Jahre das eigentliche Problem, obwohl es an fehlendem Marktwissen nie gelegen hat.

Wie das konkret abläuft

Übertragen auf dieses Projekt heißt Spec-Driven Development: Bevor eine Regel „gilt“, wird sie erst als Spezifikation formuliert, so genau, dass sie keinen Interpretationsspielraum lässt. Dann wird diese Spezifikation systematisch auf Lücken und Widersprüche geprüft: Dabei geht es um Grenzfälle, um Situationen, in denen zwei Bedingungen gleichzeitig zutreffen, und um solche, in denen keine zutrifft. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird die Regel Teil des Regelwerks.

Genau an dieser Stelle kommt KI ins Spiel. Diese Art von Prüfung, bei der jede Formulierung auf Lücken abgeklopft, Grenzfälle durchgespielt und Widersprüche zu anderen Regeln aufgedeckt werden, ist Fleißarbeit, die viel Zeit kostet. Zeit, die ich neben meinem Hauptjob nicht in diesem Umfang hätte. Die KI nimmt mir dabei nicht die inhaltliche Entscheidung ab, die Regeln selbst kommen aus 25 Jahren eigener Erfahrung. Sie hilft mir aber, jede Regel schneller und gründlicher zu prüfen, als ich es allein könnte.

Was am Ende dabei herauskommt

Der Unterschied zu einer klassischen Trading-Strategie liegt am Ende in der Schärfe. Viele Strategien lesen sich plausibel, bis man versucht, sie an einem konkreten Chart tatsächlich anzuwenden, und merkt, dass wichtige Fälle offenbleiben. Ziel von Spec-Driven Development ist, diese offenen Fälle vorher zu finden, bevor gehandelt wird. Ob das am Ende wirklich so sauber aufgeht, wie es sich hier liest, weiß ich noch nicht, bisher habe ich erst einen Teil des Regelwerks so durchgeprüft.

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